Montag, 7. September 2026
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    „Ein Ventil, um Gefühle auszudrücken“

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    Der mehrfach ausgezeichnete Eppendorfer Querflötist Tim Henning Lüttge präsentiert am 04. September zusammen mit der Pianistin Yun Xu das Konzert „Zwischen Wasser und Sternen“ im kleinen Saal der Elbphilharmonie. Es wird eine Reise zwischen verschiedenen Welten.

    Wie kamen Sie zur Querflöte und was fasziniert Sie an diesem Instrument? 
    Ich war als Kind mit meiner Mutter in einem Konzert von James Galway in der Stadthalle Bielefeld. Sein unglaubliches Spiel und besonders seine goldene Flöte haben mich damals so fasziniert, dass in mir sofort der Wunsch entstand, selbst Flöte zu spielen.
    Was mich bis heute an der Querflöte fasziniert, ist die unmittelbare Verbindung mit dem menschlichen Atem. Anders als bei vielen anderen Blasinstrumenten gibt es nichts zwischen dem Spieler und dem Instrument – kein Blatt, das schwingt, und kein Mundstück, das den Luftstrom vorgibt. Man formt den Klang unmittelbar mit dem eigenen Atem, dem Körper und der eigenen Vorstellung. Dadurch entsteht ein sehr direkter Zugang zu den eigenen Empfindungen, die man mit der Flöte ausdrücken kann. Für mich war die Flöte deshalb immer auch ein Ventil, um Gefühle auszudrücken. 

    Sie sagen, der Klang der Querflöte sei eng mit der menschlichen Seele verknüpft. Wie meinen Sie das?
    Durch die unmittelbare Verbindung zum Atem hat man beim Flötenspiel einen sehr direkten Zugang zum eigenen Körper und damit auch zu den eigenen Empfindungen. Der Atem ist eng mit unserer Gefühlswelt verbunden – das erleben wir ganz unmittelbar auch in der menschlichen Stimme. Je nachdem, ob wir traurig, aufgeregt, glücklich oder entspannt sind, verändert sich unser Atem und damit auch unsere Stimme.
    Das Ziel beim Spielen eines Instruments ist für mich immer, Gefühle zu transportieren und Musik wirklich zum Leben zu erwecken. Als Künstler ist man dabei selbst das Medium. Man versucht, etwas Inneres durch den Klang nach außen zu tragen und mit dem Zuhörer zu teilen.

    Ihr Konzert in der Elbphilharmonie findet unter dem Namen „Zwischen Wasser und Sternen“ statt. Wie ist dieser Titel entstanden?
    Wir wollten mit dem Titel einen Bogen über die unterschiedliche Musik dieses Abends spannen – von der Wasserwelt bis zu den Sternen. Im ersten Teil spielen wir die Sonate „Undine“, die auf dem Märchen von einer Meerjungfrau basiert, die durch die Liebe zu einem Menschen eine Seele bekommt. Die Musik hat etwas sehr Bewegtes, Schillerndes und Flüssiges – man hört diese Wasserwelt förmlich. Und wo könnte man „Undine“ besser spielen als in der Elbphilharmonie, direkt an der Elbe?
    Im zweiten Teil verlassen wir diese Wasserwelt und gehen gewissermaßen hinaus ins Universum. Unser modernstes Werk ist „Interstellar“ von Hans Zimmer – und damit sind wir bei den Sternen angekommen. Und vielleicht ist genau das das Spannende: dass man an einem Konzertabend von einer Welt in die nächste reisen kann, ohne den Saal zu verlassen.

    Ist die moderne Musik aus „Interstellar“ für Sie Ausdruck eines breiteren Verständnisses davon, was heute in ein klassisches Konzertprogramm gehört? 
    Ja, auf jeden Fall. Das Publikum, das sich ausschließlich für klassische Musik interessiert, ist meiner Meinung nach kleiner geworden. Deshalb finde ich es wichtig, auch zeitgemäße und großartige Musik aufzugreifen und sie in einem klassischen Konzert neu zu interpretieren.
    Gerade Filmmusik kann dabei eine wunderbare Brücke sein. Viele Menschen kennen die Musik aus „Interstellar“ bereits und haben einen emotionalen Zugang dazu. Wenn man sie dann in einem klassischen Konzert in einer neuen Besetzung und aus einer anderen Perspektive erlebt, kann daraus etwas ganz Neues entstehen.
    Ich glaube, dass man auf diese Weise auch Menschen erreichen kann, die sonst vielleicht nicht in ein klassisches Konzert gehen würden. Und genau das finde ich spannend: nicht die Grenzen zwischen den Genres immer weiter zu ziehen, sondern sie ein Stück weit aufzulösen.
    Für mich bedeutet das nicht, dass wir weniger klassische Musik spielen sollten. Im Gegenteil. Ich finde es spannend, die große Tradition mit der Musik unserer Zeit zu verbinden und dadurch neue Zuhörer für beides zu begeistern. Am Ende sollte die Musik selbst entscheiden, ob sie berührt – nicht das Etikett, das auf ihr steht.

    Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Yun Xu? 
    Yun und ich kennen uns seit mehr als zwölf Jahren. Damals haben wir uns eher zufällig kennengelernt, weil ich für ein Konzert eine Pianistin gesucht habe. Seitdem sind wir musikalisch immer wieder zusammengekommen. Wir haben zahlreiche gemeinsame Konzerte gespielt, unter anderem auch in der Laeiszhalle Hamburg, und gemeinsam das Album „The Inner Voice“ eingespielt, das 2022 veröffentlicht wurde.

    Treten seit über 12 Jahren gemeinsam auf: Yun Xu und Tim Henning Lüttge. © Alexander Müller-Elsner

    Was wünschen Sie sich, dass dem Publikum von „Zwischen Wasser und Sternen“ nach Ihrem Auftritt im Kopf bleibt?
    Ich wünsche mir, dass die Musik die Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag herausholt. Dass sie sich auf diese Reise zwischen Wasser und Sternen einlassen und vielleicht etwas entdecken, das sie so nicht erwartet haben. Und wenn jemand danach denkt: „Wow, was kann man mit einer Querflöte eigentlich alles machen?“, dann würde mich das natürlich besonders freuen. Denn die Flöte kann unglaublich viele Farben und Charaktere annehmen. Sie kann erzählen, schweben, singen, aber auch sehr kraftvoll sein. Diese Vielfalt möchte ich an diesem Abend erlebbar machen. 
    Das Interview führte Luca Mohr

    Konzerttipp:

    Tim Henning Lüttge und Yun Xu präsentieren eine Klangreise zwischen Klassik, Tango, irischen Rhythmen und Filmmusik – von den geheimnisvollen Wasserwelten einer Meerjungfrau über Piazzollas Libertango bis zu den Weiten von Hans Zimmers Interstellar. Am 04. September um 19:30 Uhr im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Infos und Tickets ab 29€ gibt es über www.elbphilharmonie.de.

    Aufmacherfoto: Tim Henning Lüttge ist Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Musikwettbewerbe und war Stipendiat des Soloflötisten der Berliner Philharmoniker. © www.wernerbartsch.de

    Kai Wehl
    Kai Wehl
    Chefredakteur
    Anzeigen-Spezial

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