Im Mai hat Arne Klehn die Position des Cluster General Manager für das Hamburg Marriott Hotel und das Renaissance Hamburg Hotel übernommen. Sein Fokus liegt unter anderem darauf, die Identität beider Häuser weiter zu schärfen und attraktive Angebote für Geschäfts‑ und Veranstaltungsgäste weiterzuentwickeln. Wir sprachen mit dem gebürtigen Kieler darüber, welche Pläne es aktuell gibt.
Sie sind seit knapp 30 Jahren bei Marriott, Ihre letzten Stationen als General Manager waren in Regensburg und dann in den internationalen Metropolen Paris, Istanbul, Budapest sowie Berlin… und jetzt Hamburg. Kommt Ihnen die Hansestadt dagegen nicht ein bisschen klein vor?
Ich habe in sehr unterschiedlichen Märkten gearbeitet – und genau deshalb kann ich sagen: Hamburg fühlt sich für mich keineswegs „klein“ an. Im Gegenteil. Die Stadt hat eine beeindruckende internationale Ausstrahlung und gleichzeitig eine klare, hanseatische Haltung. Dieser Mix aus wirtschaftlicher Stärke, Weltoffenheit und echter Gastfreundschaft ist in dieser Form besonders.
Besonders gereizt hat mich die Aufgabe, mit dem Hamburg Marriott Hotel und dem Renaissance Hamburg Hotel zwei Häuser zu führen, die mitten im Leben dieser Stadt stehen. Beide sind fest in Hamburg verankert – durch ihre Lage, ihre Geschichte und ihre Rolle als Treffpunkt für Gäste aus aller Welt ebenso wie für Hamburger selbst. Genau hier anzusetzen und die Häuser noch stärker als Teil des städtischen Lebens zu positionieren, ist ein spannender Schritt.
Ein persönlicher Bezug spielt dabei sicherlich auch eine Rolle. Ausschlaggebend war für mich aber vor allem die Perspektive, gemeinsam mit den Teams in Hamburg neue Akzente zu setzen.
Inwieweit können Sie Ihre Erfahrungen aus Paris, Istanbul und Budapest hier vor Ort einbringen?
In der Hotellerie gibt es unabhängig vom Standort einen gemeinsamen Kern: Gäste erwarten heute mehr als einen reinen Aufenthalt. Es geht darum, Momente zu schaffen, die in Erinnerung bleiben.
Was sich von Stadt zu Stadt unterscheidet, ist die Art, wie diese entstehen. In internationalen Metropolen habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sehr genau auf die Dynamik der jeweiligen Stadt einzugehen – auf ihre Geschwindigkeit, ihre Gäste und ihre Erwartungen.
Genau das übertrage ich auch auf Hamburg. Die Stärke liegt hier darin, Internationalität mit einer klaren hanseatischen Haltung zu verbinden. Gemeinsam mit den Teams im Hamburg Marriott Hotel und im Renaissance Hamburg Hotel geht es darum, Angebote zu schaffen, die genau das widerspiegeln: persönlich, nahbar und gleichzeitig weltoffen – für Gäste aus aller Welt ebenso wie für Hamburger.




In Berlin haben Sie das JW Marriott Hotel Berlin geleitet, eines der größten Tagungshotels der Hauptstadt. Das passt gut, denn Tagungen und Veranstaltungen spielen sowohl im Marriott als auch im Renaissance eine große Rolle. Welche Erwartungen haben Tagungs- und Kongressveranstalter heute an ein Hotel – und wie haben sich diese Anforderungen in den vergangenen Jahren verändert?
Auch im Tagungs- und Veranstaltungs-Bereich, MICE-Bereich genannt – das ist eine Abkürzung für „Meetings, Incentives, Conventions and Exhibitions“ – geht es heute längst um mehr als die reine Organisation eines Meetings oder Kongresses. Veranstalter erwarten Formate, die in Erinnerung bleiben – inhaltlich ebenso wie atmosphärisch.
Gleichzeitig haben sich die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Entscheidungen fallen kurzfristiger, Veranstaltungen müssen flexibel skalierbar sein und eine absolut verlässliche technische Infrastruktur wird vorausgesetzt. Entscheidend ist dabei, dass trotz dieser Komplexität der persönliche Service nicht verloren geht – dass Veranstaltungen präzise organisiert sind und sich für den Kunden dennoch mühelos anfühlen.
Genau hier setzen wir an: Mit dem Hamburg Marriott Hotel und dem Renaissance Hamburg Hotel verfügen wir über zwei Häuser, die nicht nur die Kapazitäten bieten, sondern vor allem mitten in der Stadt liegen und eng mit ihr verbunden sind. Unser Anspruch ist es, Veranstaltungen so zu gestalten, dass diese Verbindung spürbar wird.
Viele Unternehmen legen heute Wert auf Nachhaltigkeit und außergewöhnliche Erlebnisse. Welche Rolle spielen diese Themen bei der Planung von Meetings und Events in Ihren Hotels
Nachhaltigkeit und Erlebnis gehören heute untrennbar zusammen – gerade im MICE-Bereich. Veranstalter erwarten nicht nur ein überzeugendes Event, sondern möchten auch nachvollziehen können, welchen ökologischen Fußabdruck dieses hinterlässt.
Die Anforderungen sind dabei deutlich konkreter geworden. Es geht nicht mehr nur um einzelne Maßnahmen, sondern um Transparenz und Messbarkeit. Programme wie „Connect Responsibly“ ermöglichen es beispielsweise, die Auswirkungen einer Veranstaltung detailliert auszuwerten und gezielt zu steuern.
Gleichzeitig bleibt das Erlebnis entscheidend. Nachhaltige Veranstaltungen müssen sich genauso hochwertig und stimmig anfühlen wie jedes andere Event. In Hamburg bedeutet das für uns, lokale Aspekte stärker einzubinden – sei es über regionale Produkte, kurze Lieferketten oder Formate mit klarem Bezug zur Stadt.
Unser Anspruch ist es, beides zusammenzubringen: Veranstaltungen, die in Erinnerung bleiben und gleichzeitig verantwortungsvoll umgesetzt sind.
Apropos Events. Im Marriott gibt es seit kurzem die Reihe „Mixclub“ ein musikalisch-kulinarisches Afterwork-Format in der Pianobar oder auf der Terrasse. Eine schöne Idee, nicht nur Hotelgäste, sondern auch Hamburger*innen anzusprechen. Gibt es weitere gastronomische Konzepte für beide Zielgruppen?
Formate wie der „Mixclub“ im Marriott sind für uns ein wichtiger Baustein, um die Hotels bewusst für die Stadt zu öffnen. Dahinter steht ein Afterwork-Format zur Wochenmitte, das alle sechs Wochen ein anderes Land in den Mittelpunkt stellt – musikalisch wie kulinarisch. Internationale Live-Musik trifft auf passende Drinks und kleine Spezialitäten aus der Barküche, sodass jeder Abend eine eigene Atmosphäre und ein eigenes Thema bekommt.
Die Pianobar wird so zur Bühne für kleine „Kurzreisen“ – mitten in der Hamburger Innenstadt. Gleichzeitig bleibt der Rahmen bewusst entspannt und zugänglich: kein Club-Setting, sondern ein stilvoller Ort für Begegnung, Gespräche und einen unkomplizierten Ausklang des Tages.
Neben dem „Mixclub“ spielt im Marriott Live-Musik an mehreren Abenden pro Woche eine zentrale Rolle und hat die Bar zu einem festen Treffpunkt gemacht. Ergänzend gehören auch Cocktail Classes dazu, die Gästen wie Hamburgern einen direkten Zugang zur Bar-Kultur ermöglichen.
Im Renaissance setzen wir mit Formaten wie „BRICKS Beat“ einen wöchentlichen Akzent: Jeden Donnerstagabend trifft man sich zum Afterwork mit DJ, Drinks und Bar Food – ein unkomplizierter Auftakt ins Wochenende. Ebenso wichtig ist uns, auch tagsüber Anknüpfungspunkte zu schaffen, etwa mit dem Nordic Brunch, der jeden Sonntag klassische Brunch-Elemente mit wechselnden, von Hamburger Stadtteilen inspirierten Gerichten verbindet.
Unser Ansatz ist in beiden Häusern derselbe: Die Hotels sollen Teil des städtischen Lebens sein.




Wie man sieht, gewinnt neben dem Tagungs- und Veranstaltungsbereich auch die Gastronomie im Hotel an Bedeutung. Was hat Sie dort in den vergangenen Jahren am meisten überrascht?
Eine Entwicklung, die ich besonders spannend finde, ist, wie stark sich die Rolle von Hotelbars verändert hat. Sie werden zunehmend zu eigenständigen Treffpunkten in der Stadt – mit klaren Konzepten, wiederkehrenden Formaten und einem starken Fokus auf lokale Gäste.
Ähnlich im MICE-Bereich: Veranstaltungen werden heute nicht mehr nur nach Organisation bewertet, sondern danach, wie stimmig das Gesamterlebnis ist und ob ein Bezug zum Ort entsteht.
Das zeigt einen klaren Wandel – weg von Funktion hin zu Identität und Atmosphäre.
Hand aufs Herz, Sie sind als Cluster Manager für zwei Hotels verantwortlich, die auch noch dicht beisammen liegen – ca. 250 Meter. In welchem würden Sie übernachten, welches gefällt Ihnen bessere?
Die Frage nach dem „Lieblingskind“ höre ich tatsächlich oft – und ganz ehrlich: Es kommt immer auf den Anlass an. Beide Häuser haben ihren eigenen Charakter und sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an.
Im Renaissance fasziniert mich jedes Mal die Geschichte des Gebäudes. Der Altbau aus den 1920er-Jahren mit seinen hohen Decken schafft eine Atmosphäre, die man so nicht inszenieren kann. Dazu kommt die BRICKS Bar mit ihrer urbanen Energie – mitten im Leben der Innenstadt.
Das Hamburg Marriott Hotel wiederum ist ideal, wenn es um Raum und Flexibilität geht. Die großzügigen Zimmer und die lebendige Pianobar mit Live-Musik am Abend schaffen einen Rahmen, der besonders für längere Aufenthalte oder Familien sehr gut funktioniert.
Am Ende gibt es kein „Lieblingskind“, sondern immer das passende Haus für den jeweiligen Moment.
Wie lösen Sie das Kunststück für beide gleichviel ansprechbar zu sein?
Die Herausforderung ist, beiden Häusern gleichermaßen gerecht zu werden – und das im Alltag auch klar zu zeigen. Mir ist wichtig, präsent zu sein, nah an den Teams zu arbeiten und ansprechbar zu bleiben, sodass beide Häuser spürbar im Fokus stehen.
Solche Cluster-Rollen sind heute üblich, weil sie nicht nur effizient sind, sondern auch die Zusammenarbeit stärken. Besonders ist für mich dabei der Umgang mit zwei unterschiedlichen Identitäten: beide Kulturen weiterzuentwickeln, ohne sie zu vermischen, und daraus ein gemeinsames Team zu formen.
Der Arbeitstag ist geschafft, wie und wobei entspannen Sie sich dann am liebsten?
Im Moment bleibt unter der Woche ehrlich gesagt noch nicht allzu viel Zeit für den Feierabend. Die Tage sind gut gefüllt, und vieles läuft parallel. Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich abends gerne mit Kollegen oder Freunden aus, um neue Restaurants und Bars in der Stadt kennenzulernen. Das ist auch eine gute Möglichkeit, ein Gefühl für Hamburg zu entwickeln. Und wenn ich wirklich abschalten möchte, gehe ich laufen – am liebsten durch die Innenstadt oder entlang des Wassers. Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und die Stadt noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.
Vielen. Dank für das Interview.
Aufmacherfoto: Der gebürtige Kieler Arne Klehn freut sich, wieder in Norddeutschland zu sein. © Marriott International
