Seit 25 Jahren bietet die KZ-Gedenkstätte Neuengamme eine „Alternative Alsterkanalfahrt“ an, die von ihrem Mitarbeiter Herbert Diercks entwickelt und seitdem von ihm begleitet wurde. Auf der Fahrt mit einem Alsterdampfer berichtet er über nationalsozialistische Gewaltherrschaft, Widerstand und Verfolgung rund um die Alster. Dieses Jahr begleitet er sie letztmalig.
Binnen- und Außenalster prägen die Hamburger Innenstadt. Kanäle führen in einzelne Stadtteile. Hier zeigt sich die Schönheit der Stadt – die Schattenseiten der Geschichte Hamburgs sind auf den ersten Blick kaum sichtbar. Seit 2001 berichtet Herbert Diercks daher auf seiner Alternativen Alsterkanalfahrt vor dem Hintergrund gewaltiger Kontorhäuser, gepflegter Parkanlagen, Villen, Schrebergärten, urwüchsiger Uferpartien und traditioneller Industriestandorte von einer anderen Geschichte unserer Stadt in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 bis 1945.
Auf der Fahrt über Binnen- und Außenalster, dem Osterbek- und dem Goldbekkanal bis hin zum Stadtparksee thematisiert der Historiker an Orten wie dem Alsterhaus, dem ehemaligen US-Generalkonsulat, dem Hotel Atlantic, den Industriebauten von Kampnagel und dem Stadtpark bis heute weiterhin eher unbekannte Aspekte ihrer Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um Macht, Opportunismus, um resistentes Verhalten bis hin zum Widerstand, um Industriegeschichte, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit.
Wann, was, wo: Sonntag, 28. Juni 2026, 16–18 Uhr, Sonntag, 13. September 2026, 16–18 Uhr – Alternative Alsterkanalfahrten – Treffpunkt: Alsteranleger Jungfernstieg (Alster-Touristik) – Kosten: 25 Euro (auf dem Schiff) – eine Anmeldung ist HIER möglich
Prof. Dr. Oliver von Wrochem, Vorstand Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte: „Seit 2001 bietet die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ‘alternative’ Alsterkanalfahrten an, auf denen Naziherrschaft, Widerstand und Verfolgung von 1933 bis 1945 im Vordergrund stehen. Die Route dieser Fahrten ermöglicht es, sehr unterschiedliche Aspekte aus der Geschichte des Nationalsozialismus anzusprechen. Die Alternativen Schifffahrten, die wir weiterhin auf Alster und Elbe anbieten werden, bleiben ein wichtiges Format, um unsere Themen außerhalb unserer Gedenkstätten in Hamburg sichtbar zu machen.“
Herbert Diercks, Historiker: „Im Hotel ‘Atlantic’ hielt Adolf Hitler bereits 1926 eine programmatische Rede. Im Frühjahr 1933 boykottierte die SA das jetzige ‘Alsterhaus’. Im ‘Alsterpavillon’ wurde verbotene Swingmusik gespielt. Am Goldbekkanal bestand ein großes Zwangsarbeitslager. Vielen Hamburgerinnen und Hamburgern sind solche Aspekte aus der Geschichte unserer Stadt nicht bekannt und sind bei einer Teilnahme an der Alsterkanalfahrt erstaunt, welche unbekannten und bedrückenden Aspekte der Geschichte Hamburgs hinter der vertrauten Kulisse verborgen sind.“
Foto: Herbert Diercks vor dem Alsterdampfer © SHGL
