Das Curiohaus in Hamburg-Rotherbaum war von 1945 bis 1949 der wichtigste Gerichtsort für die Kriegsverbrecherprozesse in der britischen Besatzungszone. Hier fanden 188 Militärgerichtsverfahren gegen 504 Angeklagte statt. Aus Anlass der 80-jährigen Erinnerung an diese Prozesse haben sich Hamburger Institutionen (GEW, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, VVN-BdA Hamburg, Landesinstitut für Qualifizierungund Qualitätsentwicklung in Schulen, Spaces, BV Hamburg-Wandsbek) zusammengetan, um gemeinsam der Geschichte zu gedenken, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und den Kampf gegen heutige Rechtsentwicklung zu beleben.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „80 Jahre Hamburger Curiohaus-Prozesse” findet die dreiteilige Folge „NS-Kriegsverbrechen in Wandsbek vor britischen Militärgerichten” statt. Gestartet mit dem „Sasel-Case” und dem „Poppenbüttel-Case” folgt nun am 15. Juni von 19 bis 21 Uhr die dritte Veranstaltung, der Wandsbek-Case: „Ich habe nur Befehle ausgeführt“ – Die fehlende Reue der Täterinnen und Täter im Großen Saal des Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15, Konferenzraum A.

Mitten in Wandsbek entstand im Juni 1944 ein KZ-Außenlager bei der Firma Dräger. Mehr als 500 Frauen mussten hier Zwangsarbeit leisten. Sie sollten – in Vorbereitung eines geplanten Giftgaseinsatzes der deutschen Wehrmacht – in großer Zahl Gasmasken herstellen. Sie arbeiteten in 12-Stunden-Schichten. Täglich waren sie Misshandlungen und Schikanen ausgesetzt. Der SS-Lagerführer Johannes Steenbock wurde von den Häftlingen als besonders brutal geschildert. Er war verantwortlich für den Tod mehrerer Häftlinge. Schuldgefühle zeigte er nicht. Er hätte doch nur Befehlen gehorcht und keine Alternative im Handeln gehabt. Es gibt auch heute in den nachfolgenden Generationen Menschen, die die NS-Verbrechen verharmlosen und verleugnen. Sie folgen der Sichtweise der Täter. Dem tritt Stefan Romey entgegen. Seit 40 Jahren hat er zum KZ Wandsbek geforscht und mit zahlreichen Häftlingen gesprochen. Ihre Stimmen stehen im Mittelpunkt seiner Darstellungen. Die Bezirksversammlung Wandsbek erinnert seit vielen Jahren an Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus in Wandsbek. Sie hat u.a. den „Wandsbeker Weg der Erinnerung an Widerstand und Verfolgung 1933 – 1945“ umgesetzt. 15 inhaltlich miteinander verbundene Stelen versehen mit Informationstafeln und weiterführenden QR-Codes wurden zu diesem Thema im Bezirk aufgestellt. Eine begleitende Broschüre ist erschienen.
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Aufmacherbild: © Curiohaus/Spaces Management
