Wie blicken die Entscheiderinnen und Entscheider der Hansestadt in die Zukunft? In einer Zeit, in der das „Nein“ oft lauter scheint als das „Ja“ und Großprojekte wie die Olympia-Bewerbung kritisch beäugt werden, versammelten sich, auf Einladung von Gastgeber Lars Meier und der Gute Leude Fabrik, rund 120 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Medien, Wissenschaft und Sport zur 25. Ausgabe von „Hamburgs Spitzen“. Im historischen Ambiente des Erika-Hauses am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: „Hamburg in 10 Jahren – haben wir Grund für Optimismus?“.
Bereits zur Eröffnung des Abends setzte Gastgeber Lars Meier den thematischen Rahmen mit einem eindringlichen Appell an die anwesenden Entscheiderinnen und Entscheider. Er forderte die Gäste dazu auf, die Aufbruchstimmung des Abends aktiv als Botschafter in die Stadt zu tragen – sei es im Gespräch mit der Friseurin, der Sprechstundenhilfe oder dem Taxifahrer auf dem Heimweg. Der Glaube an die Gestaltungskraft Hamburgs sei eine gemeinschaftliche Aufgabe, die weit über den Mauern des Erika-Hauses hinaus Gehör finden müsse: „Erzählen Sie, warum diese Stadt mehr kann als Zweifel. Warum es sich lohnt, an Hamburg zu glauben. Denn wenn wir es nicht tun – wer dann?“ Dieser Ruf nach einem „gestaltenden Wir“ bildete den Auftakt für eine Veranstaltung, die mehr als ein bloßer Austausch war: ein klares Signal gegen die Resignation und für ein gestaltendes Miteinander.
Optimismus als strategische Notwendigkeit
Trotz einer gewissen allgemeinen Skepsis in der Stadt zeichneten die Gastgebenden, die Gäste und insbesondere die Podiumsgäste im „Spitzen-Talk“, moderiert von Florian Zinnecker (DIE ZEIT), ein entschlossenes Bild der Zuversicht. Einig war man sich darin, dass Optimismus kein naiver Glaube, sondern die Grundvoraussetzung für Fortschritt ist.

Dr. Melanie Leonhard (Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation) betonte die Innovationskraft des Standorts: „Es wird sich vieles verändern, aber ich glaube nicht, dass ganze Branchen verschwinden. Hamburg war schon immer stark darin, sich weiterzuentwickeln – genau darin liegt unsere Zukunft.“ Und weiter: „Ich bin sehr sicher, dass Hamburg in Zukunft weiterwachsen wird – in der Gesundheitswirtschaft, in der Logistik und in der maritimen Technologie. Wir haben hier enorme Innovationskraft. Entscheidend ist, dass wir eine zugewandte, vielfältige Stadt bleiben und die Chancen unserer jungen Bevölkerung aktiv nutzen.“
Prof. Dr. med. Christian Gerloff (Ärztlicher Direktor des UKE) hob die Bedeutung von Spitzenforschung hervor: „Wir haben viel mehr Chancen als Risiken – gerade durch den Einsatz von KI. In der Medizin erleben wir schon heute, dass Krankheiten, die früher tödlich waren, zu behandelbaren chronischen Erkrankungen werden. Das macht mich für die Zukunft sehr optimistisch.“
Philipp Westermeyer (Gründer OMR) ergänzte aus Sicht der Digitalwirtschaft: „Hamburg ist ein totaler Hoffnungsort für viele junge Menschen. Das geht weit über Studierende und Auszubildende hinaus. Unternehmen berichten uns, dass der Faktor, in Hamburg zu sitzen, einen Unterschied macht. Aber es ist kein Selbstzweck, sich darauf auszuruhen. Wir müssen es uns leisten, das „Sowohl-alsauch“ weiterzumachen und uns nicht nur auf ein Thema, eine Branche, eine Richtung oder einen Stadtteil zu fokussieren.“
Andreas Rettig (DFB-Geschäftsführer) schlug die Brücke zum Sport und zur gesellschaftlichen Kraft von Großereignissen: „Bei aller technologischen Entwicklung darf man eines nicht vergessen: Im Fußball – wie im Leben – bleibt die emotionale Verbindung zwischen Menschen der entscheidende Faktor. Ich wünsche mir, dass wir mit Hilfe neuer Technologien gerade im Breitensport neue Möglichkeiten schaffen – damit Training, Gemeinschaft und Engagement auch in Zukunft funktionieren.“ Der Netzwerkabend im UKE machte deutlich, dass Hamburg das Potenzial besitzt, den „Goliath“ der Herausforderungen zu besiegen – vorausgesetzt, der gemeinsame Dialog bleibt so lebendig wie bei diesem Format. Die 25. Ausgabe von „Hamburgs Spitzen“ war somit mehr als ein bloßer Austausch; sie war ein Signal gegen die Resignation und für ein gestaltendes Miteinander.
Hamburgs Spitzen werden unterstützt durch die Gastgebenden der 25. Ausgabe: Kathrin Baumstark (Bucerius Kunst Forum), Samed Topuzovic (Allianz Generalvertretung), Philipp Maschmann (Volksbank Raiffeisenbank eG), Sascha Urban (Architekturbüro Lotos Projektplanung), Dr. Steffen Rülke (Vorprojekt Olympische und Paralympische Spiele), Dr. Rolf Strittmatter (Hamburg Invest), Martin Sowinski (Sprinkenhof GmbH), Prof. Blanche Schwappach-Pignataro (UKE) und Lars Meier (Gute Leude Fabrik). Mehr Infos zu dem Netzwerkformat gibt es HIER.
Gäste des Abends waren u.a.: Benjamin Adrion (Viva con Agua), Uwe Bergmann (Bergmanngruppe), Johannes Bitter (HSV Handball), Gerhard Delling (Sportmoderator), Kirsten Fust (Hamburger Energiewerke), Dirk Kienscherf (SPD Bürgerschaftsfraktion), Steffen Knies (Kamps in Hamburg), Hendrik Lünenborg (Intendant NDR), Claudia Meister (Hanseatic Help e.V.), Ralf Neubauer (Bezirksamt HH-Mitte), Maren Puttfarcken (Techniker Krankenkasse), Katariina Rohrbach (Hamburg Messe und CCH), Falk Schnabel (Polizeipräsident), Martin Werhand (Volkswagenautomobile Hamburg), Kathrin Wirth-Ueberschär (Hotel Reichshof / Dehoga)




Aufmacherfoto: Bezirksamtsleiter Hamburg Mitte Ralf Neubauer, Gastgeber Lars Meier, Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard und SPD-Politiker Dirk Kienscherf (v.l.) Alle Fotos: © Gute Leude Fabrik
