Freitag, 1. März 2024
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    Winterhuderin dichtet sich zum Sieg

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    Anfang Januar stand die Elphi ganz im Zeichen des Poetry Slams. Die besten SlamerInnen des Landes kämpften wortgewandt bei den KAMPF DER KÜNSTE AWARDS 2024 um den Sieg. Paulina Behrendt aus Winterhude überzeugte neben drei weiteren GewinnerInnen mit ihrer Performance und gewann den Publikumspreis. Was die Slamerin bewegt und was das Besondere am „Kampf der Künste” ist, lesen Sie hier. Ebenso, wer die anderen GewinnerInnen sind.

    Was ist das Besondere an diesem Wettbewerb?
    Paulina Behrendt: Der „Kampf der Künste” ist in Bezug auf Poetry Slam wie ein zweites Zuhause für mich. Es werden unfassbar schöne Bühnen kreiert und es herrscht ein sehr genauer Blick für die Performance sowie ein Ohr für das, was zwischen den Zeilen steht. Man wird hier nicht nur gesehen, sondern auch gehört. 

    Seit 2018 trittst du mit deinen Texten vor Publikum auf. Was bereitet dir Freude am Poetry Slam? 
    Die Vielfältigkeit! Beim Poetry Slam ist alles möglich. Alles darf und kann auch passieren. Das ist eine Freiheit, die man sonst selten in anderen Kunstformen erlebt. 

    Was wäre für dich persönlich die beste Resonanz, die du nach einem Auftritt bekommen könntest?
    Für mich ist es tatsächlich nicht vorrangig der Applaus. In erster Linie sind es die Nachrichten von einzelnen Menschen, die mich danach erreichen. Das „Danke für diesen Text“. Worte für Dinge zu finden, für die andere keine finden, ist das, was mich erfüllt.

    Gibt es einen Aspekt oder Hintergrund, der in deinen Texten nie fehlen darf?
    Ganz klar die Authentizität. Ich habe meine Texte im Herzen, nicht im Kopf. 

    Inwieweit bewegt dich die Poesie und was möchtest du bei deinen ZuhörerInnen bewegen? 
    Ich liebe diese zarte Verletzlichkeit in der Poesie. Das Andeuten. Das Erzählen und Nicht-Benennen. Dadurch beginnt man, durch die Worte von anderen zu fühlen. Das können andere mitunter noch viel besser als ich. Deswegen höre ich auch selber so gerne zu.

    Fiel es dir anfangs schwer, dich dem Publikum so transparent zu zeigen und deine Gedanken zu offenbaren? 
    Nein, das fiel mir nie schwer. Ich denke, unsere aller Gedanken und Gefühle ähneln sich mehr, als wir glauben. Und das Teilen ist ja lediglich eine Einladung, ins Gespräch zu gehen. Ich habe nicht den Anspruch, 100% der Menschen zu erreichen. Wenn ein paar ZuhörerInnen sich dadurch mehr verstanden fühlen, genügt mir das schon. 

    Wie hat sich dein Faible für Wort und Sprache entwickelt? 
    Diese Leidenschaft entwickelte sich vermutlich bereits früh. Meine Mama hat mir schon immer vorgelesen. Ich verbinde die Sprache einfach mit einem Gefühl von Geborgenheit und Heimat. Das möchte ich nicht missen. 

    Worüber sollte unsere Gesellschaft häufiger sprechen? 
    Ich denke, unsere Gesellschaft sollte grundsätzlich überhaupt erstmal wieder anfangen, miteinander zu sprechen – anstatt den ganzen Tag nur zu streiten. Das wäre schonmal ein guter Anfang und würde mit Sicherheit einiges erleichtern.  Hanna Odenwald

    Aufmacherfoto: Paulina Behrendt in der Elphi. © Michelle Jekel Mehr Infos zur Winterhuderin gibt es HIER.

    Über die Kampf der Künste Awards 2024:

    In drei Shows mit über 6.000 Gästen in der Hamburger Elbphilharmonie wurde das gesprochene Wort gefeiert – verliehen wurden im Rahmen des Best of Poetry Slam Days zum zweiten Mal die Poetry Slam Awards Deutschlands. Eröffnet wurde die Verleihung von Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. Er unterstrich die Bedeutung des Poetry Slams für die Hamburger Kulturszene: „Hamburg gilt schon längst als Hauptstadt des Poetry Slams und das verdanken wir ganz wesentlich dem Kampf der Künste. Das Team hat eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben und ist als wichtiger kultureller Player in der Kulturstadt Hamburg ein Glücksfall für diese Kunstform. Der Poetry Slam hat der Poesie eine Herzdruckmassage verpasst und macht die Freude an Literatur fühlbar. Ich gratuliere den Gewinnerinnen und Gewinnern des Poetry Slam Awards und danke ihnen für ihren kreativen, witzigen, nachdenklichen und poetischen Blick auf unsere Welt.“

    Der Award ist mit 4.000 Euro dotiert. Sieger und damit Gewinner des deutschen Poetry Slam Awards 2024 wurde Julian Heun. Die Auszeichnung begründete die dreiköpfige Jury bestehend aus Lisa Jaspersen (Inhaberin Faible Booking, Leipzig), Karsten Strack (Gründer Lektora Verlag und künstlerischer Leiter des Literaturbüros OWL) und Christine Brinkmann (Poetry Slam Veranstalterin und Leiterin der Literatursparte beim Zakk Düsseldorf) u.a. mit den Worten: „Ja, der Award geht in diesem Jahr an einen der erfolgreichsten und vielfältigsten Aktivisten der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene. Er ist zweifacher deutschsprachiger Meister im Team-Slam, hat in jungen Jahren die deutschsprachige U20-Poetry-Slam-Meister:innenschaft gewonnen, ist Berliner Meister geworden – aber da ist noch viel mehr: Er ist Slam-Veranstalter, Radio-Moderator, Buchautor, DJ und nicht zuletzt wirkt er als Chefcoach, Trainer der Fußballmannschaft des FK Interslam äußerst positiv in die Slam-Szene hinein. Er ist quasi unser Sepp Herberger.“

    Über den Ehrenpreis konnte sich Nora Gomringer freuen. Ihr hielt die Poetry Slam-Legende Sebastian 23 eine Laudatio. Den Publikumspreis für den besten Auftritt am Abend gewann Paulina Behrendt. Dieser ist mit 1.000 Euro dotiert. Mit dem Rising Star Award wurde Benjamin Poliak vom Publikum belohnt. Geehrt wurden außerdem die Safe Space Kampagne des Vereins Slam Alphas für die beste Szenearbeit und die Superbude als Heldin für besondere Verdienste um die Poetry Slam Kultur in Hamburg.

    Die GewinnerInnen: Paulina Behrendt (Publikumspreis), Fenja Ernstson (Superbude, Heldinnen), Julian Heun (Jurypreis), Nora Gomringer (Ehrenpreis) und Fee (Safe Space Kampagne, v.l.) © Michelle Jekel

    Die Best of Poetry Slam Days haben sich nach dem zweiten Jahr etabliert und werden am 4. Januar 2025 wieder in der Elbphilharmonie stattfinden. Der Vorverkauf hat begonnen. Mehr Infos und die Chance sich jetzt schon Tickets zu sichern gibt es HIER.

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    Kai Wehl
    Kai Wehl
    Chefredakteur
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