Samstag, 13. April 2024
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    Zeitenwende in der Kunst?

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    Zum zweiten Mal hatte Kristina Tröger, Präsidentin des Clubs europäischer Unternehmerinnen (CeU), zur Veranstaltungsreihe „CeU loves Kunst“ ins Hotel Vier Jahreszeiten geladen. Die Kunsthistorikerin Mon Muellerschoen moderierte den Abend, zu dem sie die Künstlerinnen Judith Milberg und Janina Roider mitgebracht hatte. Getalkt wurde zum CeU-Jahresthema Zeitenwende unter dem Motto „Wandlung, Transformation, Entwicklung vom Standpunkt der Kunst“. Vor den 100 geladenen Ladys des Clubs entwickelte sich eine spannende Diskussion, nach der wir mit Judith Milberg über ihre Arbeit sprachen.

    Beide Künstlerinnen waren eine gute Wahl für den Talk, denn „Wandel, Transformation und Entwicklung“ ist ein Lebensthema für Judith Milberg und ein wichtiges Thema für ihre Kunst. Janina Roider, die „Multimediakünstlerin und Technologiefan“ ist, arbeitet an der „Schnittstelle von Realität und Fiktion“. „Künstlerinnen sind Seismografen unserer Zeit“ und als solche „sind beide extrem interessiert an neuen Technologien“. Judith Milberg berichtete davon, wie sie bewusst KI-Technologie einsetzt, um „aus ihrer Arbeit etwas neues aber trotzdem verwandtes“ zu machen. Janina Roider „egalisiert analoges und digitales“, indem sie mit Software mit vielen „digitalen Layern“ arbeitet, die sie dann „übermalt“. Sie baut auch mit „Virtual Reality Brille in einem virtuellen Raum Skulpturen, die man im 3D Drucker ausdrucken kann“.

    Mehr Infos zum CeU gibt es HIER.

    Gastgeberin und CeU-Präsidentin Kristina Tröger mit den beiden Künstlerinnen Judith Milberg und Janina Roider sowie der Moderatorin des Abends Mon Muellerschoen (v.l.) © Ulrich Tröger

    Interview mit Judith Milberg:

    Das Oberthema des Talks hieß Wandel. Auch du beschäftigst dich in deinen Arbeiten damit. Warum und wie drückst du ihn künstlerisch aus?

    Wandlung beschreibt sehr präzise meine Arbeit, sie meint Bewegung, Erfindung, Entstehung und Wachstum. Wandlung bedeutet für mich Leben in all seinen faszinierenden Fassetten. Ich beschäftige mich in meiner Arbeit intensiv mit Themen und Fragen der Natur, der Wissenschaft und Philosophie. So arbeite ich mit Naturmaterialien wie Pastellen, Pigmenten, Tuschen und Holz. 

    Die Pigmente reibe ich in die Holztafeln, das ist ein sehr physischer und anstrengender Prozess, ich arbeite expressiv und gestisch aber zugleich auch präzise, fast schon penibel. Wenn man meine Arbeiten betrachtet, erscheint der Farbauftrag ganz zart und transparent.

    Ein weiteres deiner Themen ist das ganz ganz Kleine und das sehr große Weite – was fasziniert dich mehr?

    Ich arbeite in Zyklen und denke in Beziehungen zueinander, ich lasse die Formen in meinen Arbeiten auseinanderdriften, sich wiederfinden und umschlingen. Dabei stelle ich mir das kleine, das unsichtbare und das ganz große, das unvorstellbare vor. Alle Themen, die mich beschäftigen, versuche ich zu vertiefen, zu durchdringen und gewissermaßen zu verinnerlichen. So werden sie Teil von mir und wenn ich dann in meinem Studio arbeite, dann übersetze ich dieses Wissen auf meine Tafeln, es ist ein Prozess der Transformation.

    Welches der beiden Sujets lässt  sich warum leichter darstellen?

    Meine Vorstellungskraft ist der Motor meiner Formfindung. Ich kann nicht sagen, ob ein Sujet schwerer oder leichter ist. Jedes Bild ist ein Kraftakt, jedes Bild steht für sich. Erzählen kann ich nur mit den Grundprinzipien von Form, Farbe und Technik. Mehr habe ich als Malerin nicht zur Verfügung.

    Judith Milberg in ihrem Münchner Atelier. © Satheesh Nair

    Du verbindest eines deiner Interessengebiete – Ägyptologie und Geschichte – mit der Kunst, unter anderem in der Serie „Ausgrabungen“. Mit welchen Mitteln drückst du es aus?

    Ich bin beschäftige mich mit Schichtungen und mit dem Freilegen von Schichten. Es sind archäologische und psychologische Ausgrabungen. In jedem Fall sind es Forschungen, die in die Tiefe gehen.

    Welches Thema ist dir aktuell in der Kunst am wichtigsten?

    Im Moment arbeite ich an der Serie zum Thema ‚Excavation‘ also Ausgrabung. Mich fasziniert das Auffinden von Spuren, die Jahrtausende unter der Erde verborgen waren. Heute ist es möglich, mit modernsten wissenschaftlichen Methoden eine vergangene Welt sichtbar werden zu lassen.

    Noch mal zum Thema Wandel – alles wird immer schneller, die KI zieht in der Kunst ein, wird vieles verändern … welche Bedeutung hat die Handmade Kunst noch in Zukunft für die Gesellschaft?

    Als Künstlerin interessiert mich der Wandel immens, so ist auch die K.I. die größte Herausforderung unserer Gegenwart und Zukunft und wir sind mittendrin. Es ist jetzt! Ich bin mir sicher, dass durch die KI neue Möglichkeiten in die Kunstwelt Einzug halten werden, die die traditionellen künstlerischen Techniken nicht ablösen, sondern erweitern werden. Es ist spannend.

    Gibt es eine Grundbotschaft in deinem vielfältigen Werk?

    Meist beginne ich eine neue Arbeit mit einer Schüttung aus Tusche, die sich ihren Weg durch die Holzfasern bahnt, dort wo einst das Wasser von der Wurzel durch den Stamm bis zu den Blättern transportier worden ist. Allein der Gedanke, dass ein Baum aus einem winzigen Samenkorn entsteht und zu dieser komplexen Organisation wird und nur dazu dient, möglichst viele Blätter der Sonne auszusetzen, um die Fotosynthese zu ermöglichen. Aus Licht Energie zu erzeugen, das können nur die Pflanzen. Als Kind habe ich stundenlang auf den Waldboden gelegen und mir vorgestellt, dass in den Moosen kleine Welten existieren. Heute stelle ich mir zum Beispiel vor, wie die feinen Fasern des unterirdischen Pilzmyzels sich durch den Boden winden. 

    Oder ich stelle mir vor, wie Milliarden von bizarren Muscheln und Meerestieren, am Meeresboden zu Ablagerungen werden und Millionen Jahre später durch gewaltige Platten tektonische Erdverschiebungen zu Gebirgen werden.

    Deswegen ist es unsere wichtigste Aufgabe, die sichtbaren und unsichtbaren Wunder der Evolution, die über Milliarden Jahren das Leben auf unserem Planeten erschaffen hat, mit aller Kraft schützen. Kai Wehl

    Mehr Infos zu Judith Milberg gibt es HIER.

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    Kai Wehl
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    Chefredakteur
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