Samstag, 3. Dezember 2022
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    Eine grandiose Woche

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    Mit einer Überraschung endeten die Hamburg European Open 2022. Der Italiener Lorenzo Musetti – 20 Jahre alt und Nummer 67 der Welt (seit heute Nr. 31) – schlug in einem unfassbar gutem Finale den an Nummer 1 gesetzten Carlos Alcaraz – 19 und Nr. 6 der Welt (seit heute Nr. 5) in 2:46 Stunden mit 6:4, 6:7 und 6:4. Bereits am Samstag sicherte sich Barnada Pera (USA) den Damentitel mit einem klaren 6:2, 6:4 gegen die Nr. 2 der Welt Anett Kontaveit aus Estland.

    Vor rund 8000 Tennisfans begannen Alcaraz und Musetti bei bestem Sommerwetter im jüngsten Finale in der Open Era (seit 1968) am Hamburger Rothenbaum etwas nervös. Lorenzo Musetti war in seinem ersten ATP-Finale der Spieler, der schneller in die Spur fand. Während Alcaraz zu viele Fehler produzierte, agierte Musetti nicht nur mit viel Spielwitz, sondern nutzte auch seine Breakchancen konsequent. Das 6:4 im ersten Satz zugunsten der italienischen Nummer zwei war letztlich hochverdient.

    Sandra Reichel (Turnierdirektorin) und Publikumsliebling Carlos Alcaraz. Es war das Ende einer fantastischen Woche, wie auch Sandra Reichel fand: „Als wir vor drei Jahren erstmals das ATP-500er-Turnier in Hamburg ausgerichtet haben, begannen wir eine spektakuläre Reise bei der wir uns von Beginn an das Ziel gesetzt haben, auch das Damentennis zu integrieren. Bereits im letzten Jahr durften wir erstmals seit 19 Jahren wieder ein WTA-Turnier auf dieser Anlage ausrichten. Jetzt haben wir alle gemeinsam das erste ‚Combined Event‘ in Hamburg seit 44 Jahren hinter uns gebracht und die Resonanz der Zuschauer*innen (es waren rund 55.000), und von unseren Sponsoren und Partnern war überwältigend.“ © Hamburg European Open/ WITTERS

    Der 19-jährige Alcaraz musste auch zu Beginn des zweiten Satzes erneut einem, Break hinterherlaufen, drehte aber in der entscheidenden Phase mächtig auf. Bei über 30 Grad entwickelte sich in der schönsten Sandkiste Hamburgs jetzt ein hochklassiges Finale, das an Dramatik kaum mehr zu überbieten war. Nachdem die LaOla-Welle durchs weite Runde geschwappt war, schlug Musetti beim 5:4 zum Match auf, doch Alcaraz wehrte gleich zwei Matchbälle in absoluter Weltklassemanier ab und schaffte das Rebreak. Jetzt funktionierte auch der Stopp des Spaniers wieder und so musste der Tiebreak entscheiden. Musetti war auch hier vorne – diesmal 6:3 – doch Alcaraz hielt mit unglaublicher Courage dagegen und machte letztlich vier Punkte in Folge. Mit einem Doppelfehler musste Musetti den Satzausgleich quittieren. Und die restlos begeisterten Fans bekamen als Zugabe noch einen dritten Satz! 

    Musetti zeigte sich allerdings kaum geschockt und lieferte sich im dritten Satz mit Alcaraz einen packenden Fight mit allem, was das Tennis zu so einer faszinierenden Sportart macht. Beide spielten jetzt ihr bestes Tennis. Am Ende kostete dem Spanier eine kurze Konzentrationsschwäche das Match. Als seine Rückhand beim Matchball ins Aus segelte, sank Musetti in den Hamburger Sand und konnte sein Glück kaum fassen.

    Nach seinem Turniersieg klettert Musetti, der das Turnier am Rothenbaum als erster Italiener seit Fabio Fognini im Jahr 2013 gewonnen hat, in der Weltrangliste auf Platz 31. Alcaraz ist die neue Nummer fünf im ATP-Ranking.

    Im Doppelfinale setzten sich sich Lloyd Glasspool (GBR) und Harri Heliovaara (FIN) gegen Rohan Bpanna (IND) und Matwe Middelkoop (NED) klar mit 6:2, 6:4 durch. Vor allem Middelkoop haderte mit seiner Tagesform und feierte teils sarkastisch, aber irgendwie dann doch noch gut gelaunt den einen oder anderen Punktgewinn nach leichten Fehlern. In einem kurzweiligen Spiel ließ das konstant agierende englisch-finnische Doppel ihm und seinem indischen Doppelpatner aber auch nur wenig Chancen und holte verdient den Titel.

    lloyd Glasspool (Grossbritannien) und Harri Heliovaara (Finnland, r.) siegten im Herren Doppel. © Hamburg European Open/ WITTERS

    Finale der Damen am Samstag

    Mit einem in seiner Klarheit überraschenden 6:2, 6:4-Erfolg über die topgesetzte Weltranglisten-Zweite Anett Kontaveit (26/Estland) hat Pera ihren sportlichen Traumlauf der vergangenen zwei Wochen gekrönt. In der Woche vor dem Rothenbaum siegte sie in Budapest. Zwölf siegreiche Matches ohne Satzverlust hält die beindruckende Erfolgsserie der 27-Jährigen nun bereits an. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, hier zu spielen“, sagte Pera, „Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, das Publikum war großartig und ich hoffe, ich kann im kommenden Jahr wiederkommen.“

    Siegerin Bernarda Pera (USA) © Hamburg European Open/ WITTERS

    Auf Platz 54 der Weltrangliste wird die in Kroatien geborene und nun wieder in ihrer Heimatstadt Zadar lebende Amerikanerin am kommenden Montag klettern. Besser war sie in ihrer Karriere noch nie. In Hamburg war sie auf Rang 81 angetreten. Der Sieg gegen Kontaveit war der zweite Erfolg gegen eine Top-Ten-Spielerin in ihrer Laufbahn.

    Pera war in dem Finale mit dem großen Selbstvertrauen aus den letzten Wochen von Beginn an die bessere Spielerin und gewann absolut zu Recht. Das sah auch Kontaveit so: „Du hast großartig gespielt und es absolut verdient.“ Mit viel Druck, aggressiven Returns und fast fehlerfreien Grundschlägen dominierte die Linkshänderin das Match. Gleich im ersten Spiel nahm sie Kontaveit den Aufschlag ab und breakte sie erneut zum 5:2.

    Auch im zweiten Durchgang gewann Pera zweimal den Aufschlag ihrer Gegnerin zum 3:2 und 5:2. Als sie dann ausservieren sollte, wirkte sie erstmals etwas unsicher, Kontaveit hatte mittlerweile ihre Fehler deutlich reduziert und konnte verkürzen. Pera behielt anschließend aber die Nerven und nutzte nach 74 Minuten ihren ersten Matchball in einem hochklassigen Damenfinale.


    Die Damen-Doppel-Champions lieben Hamburg 

    „Ich liebe Deutschland, ich liebe Hamburg“, sagte Sophie Chang bei der Siegerehrung auf Deutsch, und ihre Partnerin Angela Kulikov fügte ebenfalls in deutscher Sprache überglücklich hinzu: „Vielen Dank.“

    Sophie Chang und Angela Kulikov (beide USA) holten sich in Hamburg ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Tour! © Hamburg European Open / Alexander Scheuber

    Die beiden US-Amerikanerinnen haben bei den Hamburg European Open durch einen 6:3, 4:6, 10:6-Erfolg gegen Miyu Kato (Japan) und Aldila Sutjiadi (Indonesien) ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Tour überhaupt errungen. Normalerweise sind sie erfolgreich auf der zweitklassigen ITF-Tour unterwegs, wo sie 2021 das Turnier in Berkley für sich entschieden. „Es ist etwas ganz Besonderes, den ersten Turniersieg auf der WTA-Tour zu feiern“, sagte Angela Kulikov und meinte: „Der Traum eines kleinen Mädchens ist wahr geworden.“

    Kulikov/Chang waren gegen die an drei gesetzte Paarung aus Asien während des gesamten Matches das  dominierende Doppel, nach dem gewonnenen ersten Satz führten sie auch im zweiten bereits 4:2. Dann steigerten sich ihrer Gegnerinnen und gewannen den zweiten Durchgang etwas überraschend. Im Match-Tiebreak waren die US Girls dann wieder überlegen und fielen sich nach dem Matchball nach 86 Minuten überglücklich in die Arme und genossen den Jubel der Fans auf dem Center Court.

    Freuen wir uns jetzt schon auf 2023! Aktuelle Infos – okay, es ist noch ein wenig hin – gibt es HIER – genau wie weitere Fakten zu 2022.

    Aufmacherfoto: © Hamburg European Open / WITTERS

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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