Mittwoch, 30. November 2022
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    „Wir haben einen tollen Zeitgeist“

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    Die Hamburgerin Kirstine Fratz ist Deutschlands bekannteste Zeitgeistforscherin. Was ist Zeitgeist und wie wirkt er sich auf unser Leben aus? Das folgende Interview liefert die Antworten.

    Die Kulturwissenschaftlerin und Zeitgeistforscherin beschäftigt sich mit der Macht, die Zeitgeist über uns hat, was er uns verspricht, warum wir ihm folgen und wie man mit ihm erfolgreich spielen lernt. Sie erforscht, wie der Zeitgeist immer wieder neue kollektive Sehnsüchte auslöst, neue Versprechen von einem gelungenen Leben kreiert und damit unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst. Der Zeitgeist gibt unserer komplexen Welt gekonnt und fast unmerklich andere Richtungen vor und bestimmt damit den Geist in Kultur und Gesellschaft.

    Sie erkennt Zeitgeist als kollektive Sehnsucht, als kulturelle Vibration, vernehmbar in zahllosen gesellschaftlichen Phänomenen, welche einen mächtigen Sog entfalten und unsere Gesellschaft in allen Lebensbereichen neu strukturieren. Und das lange bevor Statistiken und Umfragen den neuen Geist abbilden können.

    Auf die Frage, wie sie eigentlich Zeitgeist Forscherin geworden ist, antwortet die sympathische Hamburgerin: „ Schon als Kind hatte ich großes Interesse an fremden Kulturen. Viele meiner Freunde kamen aus anderen Ländern. Ich habe angefangen, Dinge zu hinterfragen. Das hat mir gezeigt, es geht auch anders. Diese Neugier nach neuen Strukturen und Verhaltensweisen aus anderen Kulturen und der Eigenen, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.“

    Kirstine Fratz spricht vom Zeitgeist als eine evolutionäre Intelligenz, die uns immer wieder neue, noch ungenutzte Potenziale anbietet, um unsere Kultur in heilsame, sich wohltuend entfaltende Bahnen zu lenken.

    Der Forschungsansatz von Kirstine Fratz liefert ein großes Verständnis für das machtvolle Wirken vom Geist der Zeit. ©Elena Zacke

    „Zeitgeist bietet ganz viele Chancen“

    „Nehmen wir das Beispiel Zeitgeist und Geschlechterrollen. Was wir noch vor wenigen Jahrzehnten als gut, richtig und vernünftig gehalten haben, wird heute als Ungerechtigkeit betrachtet. Durch Zeitgeist entstehen neue Perspektiven auf alte Gewissheiten. Durch die neuen Zeitgeist Einsichten werden alle Bereiche des Lebens neu bewertet und Veränderung erwartet. Man kann heute sehr schön erkennen, dass Frauen in ihrer untergeordneten Rolle als Stabilisation für die ganze Gesellschaft hergehalten haben. Nicht nur unbezahlte Care Arbeit, auch das selbstverständliche kritisieren von Frauen für ihr Aussehen und Verhalten, entlastet am Ende den Kritiker. Dieser Zeitgeist wird noch eine Menge an Transformation nach sich ziehen“, schildert Kirstine Fratz.

    Das Spiel des Erschaffens mit dem Zeitgeist will gelernt sein!
    „Es bedarf einer besonderen, ebenso verfeinerten wie ganzheitlichen Sinnlichkeit, um dem höheren Sinn im Treiben des Zeitgeistes auf die Spur zu kommen. Wie er das, was nicht mehr funktioniert, aus der Welt entlässt und das, was uns weiter bringt, in die Welt einlädt. Nicht selten ist es das bislang Unvorstellbare, was unsere Kultur positiv inspiriert und damit unser ganzes Denken, Handeln und Zusammenleben verändert, neu gestaltet und auf ein höheres Niveau bringt“, erläutert die Zeitgeistforscherin.

    Kirstine Fratz zeigt auf, wie wir persönlich, gesellschaftlich und unternehmerisch gedeihen, wenn wir seine Impulse aufnehmen und umsetzen.

    „Jeder neue Zeitgeist muss das geradebiegen, was wir davor als richtig und vernünftig angesehen haben. Es gibt immer neue Perspektiven, die zu einer Verbesserung führen können. Das ist die Magie von Zeitgeist.

    Mit Zeitgeistforschung überwindet man Denkblockaden und das ist die geistige Grundlage, um wirkmächtige Projektziele und Geschäftsfelder zu finden, Marken und Kundenbeziehungen im Geist der Zeit nachhaltig zu gestalten, Leadership, Tatkraft und Visionen evolutionär weiter zu entwickeln. Kulturelle Evolution zu fördern macht viel mehr Freude, als sich nur Trends anzupassen“, so Kirstine Fratz. 

    Aufmacherfoto: © Marco J. Drews

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