Donnerstag, 21. Oktober 2021
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    Abschied von Gero Erhardt

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    Vor Kurzem ist der Kameramann und Regisseur Gero Erhardt verstorben. Als Sohn des berühmten Komikers Heinz Erhard lebte er, wie schon sein Vater, in Wellingsbüttel. Der Verleger Wolfgang E. Buss war mit ihm Jahre befreundet und schreibt hier einige Gedanken zum Abschied.

    Lieber Gero! 

    Heute möchte ich dir adieu sagen. Ein allerletztes Mal. Wir haben uns viele Jahre begleitet. Bereits 1970 haben wir uns als junge Männer – noch voll im Saft – im Studio Hamburg im Atelier 6, erstmals getroffen und kennen gelernt. Du als Kameraassistent und ich als Ton-Assistent und späterer Regieassistent. Den jungen Menschen von heute müssen wir erklären, dass es einmal eine Zeit gab ohne Computer und ohne iPhone. In dieser Zeit haben wir Filme und Fernsehserien noch auf Film gedreht. Mit einer ARRIFLEX 35BL oder auf 16-mm-Film. Film, das müssen wir den jungen Leuten auch noch erklären, war eine Zelluloid-Folie, die wir in einer Filmkamera belichteten um sie nach dem Dreh mit einem Fahrer in das „Atlantik Film Kopierwerk“ in Ohlstedt zu bringen. Dort wurde der Film entwickelt und erst am nächsten Tag – in der Mustervorführung – konnten wir sehen, was wir einen Tag vorher gedreht haben. 

    Der große Gyula Trebitsch entwickelte das Studio Hamburg zu jener Zeit in Tonndorf zu einem bedeutenden Film- und TV-Standort. Irgendwann später – Gero – warst du Kameramann, drehtest mehrere „Traumschiff“-Folgen und wechseltest dann 1984 ins Regiefach. Du wurdest zu einem der bedeutendsten Unterhaltungsregisseure. Besonders mit den „Goldenbergs“, „Rosamunde Pilcher“ oder „Derrick“ schafftest du dir ein Millionenpublikum. 

    Du bist Kreuz und quer durch die Welt gereist – aber Wellingsbüttel und dem Alstertal immer treu geblieben – so wie auch ich.

    Anders als du habe ich dem Filmgeschäft irgendwann den Rücken gekehrt und einen Verlag aufgebaut. Und so trafen wir uns wieder, auf vielen großen Empfänge, zu denen ich einlud. Und auch zu einem wunderbaren Event 2009, als wir gemeinsam deinem Vater Heinz Erhardt – ebenfalls Wellingsbüttler – eine große Ausstellung im Alstertal Einkaufszentrum widmeten, die wir mit einem Gala-Abend eröffneten. Eine wunderbare Reminiszenz an deinen Vati und seinen wunderbaren Humor. Wir bemühen uns anschließend gemeinsam darum, eine Straße nach ihm zu benennen. Doch Hamburgs Politik und Behörden hatten nichts für Humor übrig. Unzählige Widerstandskämpfer und Naziopfer wurden geehrt, doch dass im Nachkriegsdeutschland auch herzlich gelacht wurde, galt nicht. Straßenname sollten wehtun. Es ist uns nie gelungen, einen Platz oder eine Straße nach ihm zu benennen. Lediglich ein Stück Wäldchen an der Rolfinckstraße hat es geschafft. 

    Dann hast du, aus Lust an der Regie, noch einige Stücke im Restaurant „Randel“ inszeniert oder produziert und bist auch damit dem Alstertal treu geblieben.

    Gemeinsame Zeit haben wir auch auf schönen Golfplätzen und Golfrunden verbracht. Du spieltest viel in Jersbek. Ganz in der Nähe deines Lieblingsgolfplatzes hat dich dein Sohn Marek („SOKO HAMBURG“, Schauspieler) dann in deinem Auto gefunden. 

    Da warst du schon in einer anderen Welt. Nachdem du deinen allerletzten Putt gelocht hattest. Du bist früh von uns gegangen, nach einem reichen Leben und vielen schönen Spielen. Danke, dass ich dir begegnen durfte … dein Freund Wolfgang.

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    Wolfgang E. Buss
    Verleger/Publizist/Herausgeber. Alles, was noch wichtig ist über mich, findest du in meinem Wikipedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_E._Buss
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