Dienstag, 13. April 2021
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    “Ich wollte die Rolle unbedingt”

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    Im Februar ist die Saseler Schauspielerin Milena Tscharntke in einem Familiendrama mit Thrillerelementen zu sehen: „Tod von Freunden“ (ZDF). Uns erklärte die 24-Jährige, was sie an ihrer Rolle so fasziniert und warum man die Serie nicht verpassen sollte.

    Ich bin ein bisschen neidisch auf den Drehort den ihr hattet, die Ochseninseln in der Flensburger Förde. Da war ich auch schon mal. Sie sind so schön.

    Ja, die sind wirklich wunderschön. Wir hatten dort allerdings Zeitstress und nur zwei Wochen Zeit, um auf ihnen unter Druck zu drehen, denn direkt nach Abschluss der Arbeiten kamen die Bagger und haben die Gebäude abgerissen. Die Insel wurde inzwischen renaturiert.

    Ups, das ist mir neu. Aber die Insel passte ja perfekt, um mit einem deutsch-dänischen Team zu drehen, wie war das?

    Die meisten Dänen im Team konnten gut Deutsch, da wir ja an der deutsch-dänischen Grenze gedreht haben. Das ist auch ein Thema in der Serie, dieser fließende Übergang der deutschen und der dänischen Minderheit. In der Serie geht um zwei Familien – eine deutsche und eine dänische – die auf dieser Insel wie in einer Großfamilie leben und ihre vier Kinder zusammen erziehen – es wurde zweisprachig gedreht. Ich gehöre zur dänischen Familie und deswegen hab ich Dänisch lernen müssen, denn es wird logischerweise auch viel dänisch gesprochen (es gibt Untertitel, d.Red.), etwa in Streitgesprächen und besonders emotionalen Szenen. Am Set herrschte eine tolle Atmosphäre und alle haben sich gegenseitig unterstützt, wenn es doch mal schwierig wurde.

    Die Jugendlichen in “Tod von Freunden” sind Emile Jensen (Oskar Belton), Cecile (Milena Tscharntke), Kjell Küster (Lukas Zumbrock), Karl Küster (Anton Petzold). © ZDF und [F] Thorsten Jander ; getty / [M] Serviceplan.

    Du hast auch in einer Pressemitteilung gesagt: „Ich mag den Klang der Sprache und wie anders sich das Spielen auf Dänisch angefühlt hat.“ Wie kann man sich das als Laie vorstellen – was ist anders?

    Die Schwierigkeit bestand vor allem darin, dass ich natürlich keine richtige Verbindung zu der Sprache habe. Ich habe zwar ein bisschen Basics gelernt und mich in jeder Szene akribisch vorbereitet, um nicht nur den Text, sondern auch den Satzbau zu verstehen. Trotzdem kann ich ja kein dänisch und habe nur die Phonetik gelernt und dann Wort für Wort verstanden. Wenn man in seiner Muttersprache spielt, kann man sich ganz anders treiben lassen und seine Emotionen anders rauslassen. Dänisch zu spielen war eine spannende Herausforderung und ein bisschen verstehe ich jetzt schon, aber sprechen kann ich es leider nicht.

    Dafür kannst du jetzt Kajak fahren, wie man auf einigen Filmfotos sehen kann.

    Ja, wir haben zwei Monate vor den Dreharbeiten mit Kajak-Training auf der Alster begonnen. Das war richtig cool und ich kann jetzt sogar die Eskimorolle. Wir nutzen die Kajaks im Film, um das Festland zu erreichen. Cecile tanzt außerdem noch und fährt Skateboard. In beiden Disziplinen hatte ich auch zwei Monate vorher Training bei absoluten Profis – hat großen Spaß gemacht.

    Deine Figur Cecile ist krass, sie hat Beziehungs- und Drogenprobleme und es kommt noch einiges dazu, was wir der Spannung halber nicht verraten wollen … Was hat die denn an der Rolle am besten gefallen?

    Ich erinnere mich gut an den Castingprozess. Ich wollte die Rolle unbedingt spielen, weil sie so sehr anders ist, als all das, was ich bisher gemacht habe. Noch nie war ich eine Figur, die so viel Wut in sich hat und so selbstzerstörerisch damit umgeht. Sie durchläuft in der Serie schwierigste Situationen, wird emotional in viele Richtungen gezogen. Diesen Konflikt zu verstehen und ihre Reaktionen darauf, das fand ich mega interessant.

    Cecile (Milena Tscharntke)  und Charlie Jensen (Lene Maria Christensen, r.) auf einer Polizeistation wegen eines Drogenfundes. © ZDF und Letterbox/Thorsten Jander

    Es geht um eine perfekte Familienidylle, bis nach einem Unglück klar wird, dass es große Geheimnisse und Lügen gibt. Der Regisseur Friedemann Fromm stellt in diesem Zusammenhang die Frage in den Raum, ob ein Leben ohne die eine oder andere Lüge überhaupt möglich ist. Was denkst du?

    Eine interessante Frage. Manche Lügen erzählt man ja auch zum Schutz, vor allem wenn jüngere Kinder betroffen sind … wieviel erzählt man ihnen, um sie behütet aufwachsen zu lassen. Ich bin auf jeden Fall ein wahrheitsliebender Mensch, denn Lügen haben bekanntermaßen immer kurze Beine – am Ende kommt doch immer die Wahrheit raus.

    Meinst du nicht, dass im sozialen Zusammenleben Lügen das Dasein manchmal erleichtern?

    Ich versuche auch kleine Notlügen zu vermeiden, ich glaube ich bin schon ein sehr ehrlicher Mensch.

    Eine weitere Frage in diesem Zusammenhang ist, ob es Wert ist in einem Paradies zu leben, das auf Lügen aufgebaut ist?

    Ich denke sobald die Lüge raus ist, ist sich jeder darüber einig, dass er oder sie lieber die Wahrheit gewusst hätte. Wer will schon im Unklaren leben – solche Erfahrungen wird sicherlich jeder schon einmal gesammelt haben, und da möchte man doch immer wissend sein, statt unwissend.

    Die Serie berührt vor allem deswegen, weil es um Freundschaft und Wahrheit geht – und wer hat da nicht schon eigene Erfahrungen gesammelt. Gute wie schlechte. Was bleibt bei dir nach dem Film?

    (überlegt) Am Ende ist es doch immer so, dass es weitergehen muss. Im Film stellt sich die Frage, ob die Familien „aus der Asche“ wieder auferstehen. Und auch im echten Leben geht irgendwie immer weiter, egal wie schwer die Schicksalsschläge sind, man durchmachen muss. Das ist auch etwas, das ich in den letzten Jahren gemerkt habe, es geht immer weiter und diese Gewissheit kann einem in schlechten Phasen helfen.

    Die Erwachsenen in „Tod von Freunden“ sind Charlie Jensen (Lene Maria Christensen), Bernd Küster (Jan Josef Liefers), Sabine (Katharina Schüttler), Jakob Jensen (Thure Lindhardt). © ZDF und [F] Thorsten Jander ; getty / [M] Serviceplan

    Die beiden Familien täuschen nach außen eine perfekte Fassade vor. Das kommt auch in der Realität häufig vor. Hast du Angst, es könnte dir später auch mal genauso gehen, beziehungsweise setzt man sich nach so einer Serie anders damit auseinander?

    Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand und ich bin immer darauf bedacht in Harmonie zu leben. Ich investiere viel dafür, dass es mir und den Menschen um mich herum gut geht – auch in schwierigen Zeiten wir jetzt in der Pandemie. Aus diesem Grund habe ich keine Angst davor, dass ich später hinter einer vorgetäuschten Fassade leben werde.

    Andererseits sagt man ja immer so schön, „unter jedem Dach ein Ach“, denn jede Familie hat doch so ihre Themen. Aus diesem Grund werden die Zuschauer ganz bestimmt mit den Figuren mitfühlen. Was mir in diesem Zusammenhang besonders gut gefällt ist, dass die Serie aus mehreren Folgen besteht und jede aus der Sicht einer anderen Figur erzählt wird. So haben die Zuschauer die Möglichkeit, die Geschichte von jedem Familienmitglied aus dessen Blickwinkel heraus zu erleben und können ihr Handeln vielleicht eher nachvollziehen. Sicherlich wird jeder etwas finden, mit dem man sich identifizieren kann. Zumal mit jedem Familienmitglied mehr von der Geschichte preisgegeben wird. So wird Schritt für Schritt entschlüsselt, was in der Nacht des Unglücks geschehen ist. Das ist extrem spannend. kw

    TV-TIPP:

    Zwei Familien mit je zwei Kindern leben auf einer Ostsee-Insel als glückliche Großfamilie zusammen – gebaut auf Liebe, Vertrauen, Hingabe und Rücksicht. Mit dabei sind u.a. die Hamburgerin Milena Tscharntke und Jan Josef Liefers. Der Name der mehrteiligen Serie von Friedemann Fromm – „Tod von Freunden“ – lässt erahnen, dass es wohl nicht dabei bleibt … Als nach einem Segeltörn eines der Kinder vermisst wird, kommen Geheimnisse und Probleme ans Licht und die Idylle wird auf die Probe gestellt. Ab 7. Februar an vier Sonntagen, um 22.15 Uhr im ZDF.

    HIER gibt es mehr Infos zur Serie vom ZDF!

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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