Sonntag, 29. November 2020
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    Menschlich, irgendwie …

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    Der Lemsahler Autor und Fotograf Tom Krausz beobachtet seit Jahren Vögel. Nicht nur einmal fiel ihm dabei auf, dass viele von ihnen echte Charakterköpfe sind. Irgendwie Menschlichkeit ausstrahlen. Grund genug für ihn, ein lang angelegtes Porträtfoto-Buch-Projekt – AVES – zu starten. Wir trafen den Fotografen zum Gespräch und zeigen einige der schönsten Fotos.
    Hat eine Hommage an die Vogelwelt geschaffen: Tom Krausz.

    Dieses Projekt lag auf der Hand. Tom Krausz macht seit vielen Jahren Reportagen und Porträts, meist in schwarz-Weiß, und hat sich immer begeistert vor Volieren gestellt. „Ich habe mir die Gesichter von Vögeln angeschaut. Da sind irre Typen dabei und man sieht manchmal Menschencharaktere in ihnen. Das hat mich so fasziniert, dass ich sie im klassischen Porträtstil ablichten wollte. In Schwarz-Weiß und in der Technik der alten Fotografen, im Profi l und Halbprofi l, Frontalaufnahme oder Brustbild.“ Das stellte sich dann als gar nicht mal so leicht heraus. Zunächst einmal musste er sich ein lichtstarkes 400er-Teleobjektiv zulegen, weil es teils recht dunkel war und welcher Vogel ist schon immer bereit, sich so hinzusetzen, wie ein Fotograf es gerne haben möchte? „Es ist eine Frage der Wartezeit“, sagt Krausz. Aber er habe da schon so eine Tricks gehabt, damit sie zu ihm hinschauen. „Mit der Zunge schnalzen oder mit den Fingern schnipsen, um das Interesse auf mich zu lenken. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sagt er lachend.

    Mit einigen mehr, mit anderen weniger, zumal es Vögel gibt, die mehr hören als andere und wachsamer sind. „Vor allem die Harpyie achtet extrem darauf, was passiert. Ein unglaublich faszinierender Vogel, einer der gefährlichsten der Welt übrigens, weil er ziemlich groß ist und über extrem muskulöse Beine mit scharfen Krallen verfügt. Die Art lebt am Amazonas und ist in der Lage Aff en und Faultiere aus den Bäumen zu reißen und dann mitzunehmen um sie zu verspeisen. Das kann kein anderer Vogel.“ Andere sind nicht kräftig, aber lustig, wie etwa der Kea oder Papageien. Die machten auch schon mal Mätzchen, als die Kamera auf sie gerichtet war. Ob und wie die Tiere drauf waren, hing unter anderem auch von der Temperatur ab. „Wenn es zu heiß ist, dösen alle vor sich hin, dann geht nichts.“

    Ein ganz besonderer Vogel: die Harpyie. © Tom Krausz

    Entstanden sind die Aufnahmen meistens in den Vogelparks Walsrode und Niendorf an der Ostsee, aber auch im eigenen Garten sowie auf Reisen in Neuseeland und Schottland. Die Fotos sollten aber nicht nur für die private Kiste sein, neben geplanten Ausstellungen sollte ein Bildband entstehen. „Mein Verlag, Dölling und Galitz, meinte aber, es müssen auch Texte her, sonst sei es kein richtiges Buch.“ Da Krausz schon viele Bücher mit Elke Heidenreich zusammen verfasst hat (wir berichteten mehrfach) fragte er sie an. Heidenreich war begeistert: „Noch nie habe ich in so viele faszinierende Vogelgesichter geblickt. Wir sehen sprechende Gesichter, Charakterköpfe: Rechtsanwälte, Mafi osi, Charmeure und den strengen Gelehrten. Und wir begreifen die Individualität jedes einzelnen dieser Tiere wie die jedes einzelnen Menschen“, so Elke Heidenreich. Sie und der Journalist und Feldornithologe Urs Heinz Aerni haben zu jedem Tier einen Text verfasst. Die beiden porträtieren die Vögel mal witzig, mal lehrreich, aber auch nachdenklich. So räumt Aerni etwa beim Kormoran mit dem Vorurteil auf, er würde „die Hauptschuld am Fischrückgang tragen.“ Ursachen seien vielmehr der Klimawandel und menschliche Eingriff e, die zu mehr laichfressenden Wasserbewohnern führen.

    Der Mensch ist es allerdings auch, der viele Fotos der exotischen Vögel aus dem Buch erst möglich gemacht hat. Weil er sie in Volieren hält. Einsperrt, würden einige Tierschützer sagen. „Dieser Beigeschmack ist immer da, wobei die meisten Volieren groß sind. Ich habe mich auch mit dieser Thematik befasst und zum Glück definieren sich Vogelparks heute anders als früher, weil sie anerkannten, aktiven Artenschutz betreiben. Viele der gezeigten Vögel stehen auf der Roten Liste, das ist im Buch vermerkt, denn bei aller Skurrilität und Schönheit der Tiere, sollte einem trotz der erstaunlichen Vielfalt der Vogelwelt immer bewusst sein, wie gefährdet sie teils ist.“ Kai Wehl

    BUCHTIPP
    Das nenne ich mal ein gelungenes Coffee-Table-Buch. Die Fotos der 65 schrägen Vögel und die lehrreichen bis lustigen Texte dazu bieten abwechslungsreiche „Kurz-Text-Unterhaltung“!

    Tom Krausz/Elke Heidenreich/Urs H.
    Aerni, Aves, Dölling und Galitz
    Verlag, Hardcover, 176 S., 32 Euro

    alle Fotos: © Tom Krausz

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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