Mittwoch, 30. November 2022
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    Hardy Krüger jr. über Sterbehilfe

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    Im März hatten wir für das ALSTER MAGAZIN ein Interview mit Hardy Krüger jr. geführt, denn er wollte damals in der Komödie Winterhuder Fährhaus auf der Bühne stehen. In der Tragikomödie „Arthur & Claire“. Kaum war das Magazin draußen, kam der Lockdown. Anfang September ist es jetzt aber soweit. Aus diesem Grund folgt hier noch einmal das Gespräch über Tabuthemen und Inspirationen sowie eine Kartenverlosung.

    ALSTER AKTUELL: Es geht um Krankheit, Tod und Verlust. Ist es Ihnen vor allen bezogen auf den letzten Punkt schwergefallen, die Rolle anzunehmen?

    Hardy Krüger jr.: Nein, überhaupt nicht. Jeder Mensch hat ja einen anderen Bezug zu dem Thema Tod und Sterbehilfe. Und um verschiedene Sichtweisen dazu geht es in dem Stück. Jetzt wurde ja auch der Paragraph 217 StGB in Deutschland für nichtig erklärt. Was die Sterbehilfe betrifft, ist das schon einmal ein großer Schritt. Ein sehr wichtiges Thema, über das man sprechen muss. Ich bin der Meinung, dass es jedem selbst überlassen bleiben sollte, die Entscheidung über sein Leben treffen zu können. Ob man etwa einen Zustand über sich ergehen lassen muss oder sich Erlösung wünscht. Die Schweiz und auch die Niederlande haben das vorgemacht. Ein gutes Thema.

    Wahrlich kein schönes und schon gar nicht lustig – wie passt das in eine Komödie?

    Sir Peter Ustinov hat einmal zu mir gesagt, um Leute zum Nachdenken zu bringen und mit ihnen über bestimmte Themen sprechen zu können, ist es wichtig, dass man sie zuerst zum Lachen bringt. Das kann dieses Stück, weil es das ernste Thema in eine ungewöhnliche Situation verpackt und sehr humorvoll geschrieben ist.
    Es geht um die die spannende Frage, ob man seinem Leben ein Ende setzen darf, ob das ethisch gesehen in Ordnung ist und ob die Verantwortung für das Leben jedem selbst überlassen werden sollte oder nicht. Ein Tabuthema. Dabei sollte es in der heutigen Gesellschaft keine Tabuthemen mehr geben. Es ist doch absurd, wir leben in einer global vernetzten Welt, in der die Kommunikation so einfach ist wie nie zuvor. Trotzdem ist die Vereinsamung der Menschen aktuell so krass wie nie zuvor. In dieser großen gesellschaftlichen Einsamkeit tauchen dann immer wieder Themen auf, die eigentlich gar keine mehr sein sollten. Weil auf Grund dieser Vereinsamung keine richtige Kommunikation mehr stattfindet – vor allem keine analoge, bei der man ein Gegenüber hat. Wenn überhaupt, dann gibt es eine eher oberflächliche digitale Kommunikation. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass es solche Stücke gibt.

    Anna Grisebach und Hardy Krüger jr. spielen zwei Menschen die durch Zufall zusammekommen, statt sich das Leben zu nehmen. © Katerina Kepka Photography

    Sie sind schon 2017 mit dem Stück auf Tournee gegangen … wie sind die Reaktionen des Publikums?

    Man merkt, dass es sich gut unterhalten fühlt und glücklich über das, sagen wir es mal in Anführungszeichen, „Happy End“ ist. Am Ende sind die meisten Zuschauer tief berührt und gehen nachdenklich nach Hause, überlegen, wieman selber handeln würde. Und das ist es ja, was der Autor bezwecken möchte.

    Sie sagen in Ihrem Blog „Ich lasse mich überraschen und inspirieren.“ Gibt es etwas, zu dem Sie das Stück inspiriert hat?

    Zum einen hat es mich angeregt, mit noch wacheren Augen durch das Leben zu gehen und genauer hinzuschauen, was im persönlichen Umfeld geschieht. Und vor allem auch, darüber mit den Menschen zu reden. Denn das Leben schreibt so viele wunderbare Geschichten, die einem selbst nicht einfallen würden. Sie sind tolle Inspirationen. In diesem Zusammenhang hat mir Arthur & Claire gezeigt, dass man auch über Tragisches gut schreiben kann, ohne Hemmungen haben zu müssen. Aus diesem Grund hat mich das Stück auch als Autor stark beeinflusst.

    Danke für das Gespräch und viel Spaß in Winterhude.

     

    TIPP UND KARTENVERLOSUNG

    Arthur & Claire mit Hardy Krüger jr. und Anna Grisebach läuft bis 2. bis 13. September 2020 und 27. Oktober bis 8. November 2020 in der Komödie Winterhuder Fährhaus. Inhalt: Zwei Menschen wollen sterben. Er, obwohl Sportlehrer und Nichtraucher, an Lungenkrebs erkrankt, möchte seinem Leben in einem Hotelzimmer durch Suizid ein Ende setzen. Sie, weil sie bei einem Autounfall Mann und Kind in den Tod gefahren hat und nicht über das Trauma hinwegkommt.Durch einen Zufall kommen sie zusammen und ändern die Pläne…

    Wir verlosen 3×2 Karten für die Aufführung am 10. September um 19:30 Uhr. Wer 2 gewinnen möchte, sendet bis zum 01. September eine E-Mail an k.wehl@alster-net.de

    Infos (auch zu Corona-Auflagen) und Tickets: www.komoedie-hamburg.de.

     

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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