Mittwoch, 30. November 2022
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    Geld für alle?

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    Gerade in Corona-Zeiten wird der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen lauter. Die Volksinitiative „Hamburg soll Grundeinkommen testen“ hat in der Hansestadt Anfang März erfolgreich die nötigen Unterschriften eingereicht (Foto). Doch was steckt hinter dem Konzept, wäre es durchsetzbar und wer hätte etwas davon? Wir sprachen mit Daniela Schulze von der Volksinitiative „Expedition Grundeinkommen“.

    Wie kamen Sie persönlich zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen?

    Da ich seit elf Jahren alleinerziehende Mutter bin und die Jahre über immer im unteren Gehaltsniveau gearbeitet habe in immer wieder in prekären Arbeitsverhältnissen (immer befristet) und nur in Teilzeit tätig sein konnte, habe ich mich immer wieder mit dem Thema eines adäquaten, sozialverträglichen und lebenswerten Einkommens beschäftigt. Ich stieß auf „Mein Grundeinkommen“ . Dort habe ich mich registriert und bin auch „Crowdhörnchen“ geworden. Von da an  habe ich begonnen mich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich erhielt ein E-Mail der Expedition Grundeinkommen, in welcher Mitstreiter für die Initiative Hamburg gesucht wurden. Ich bewarb mich, da ich das als Chance sah, mich in einer wirklich wichtigen gesellschaftlichen Diskussion zu engagieren.

    Was sind die Ziele der Volksinitiative in Hamburg?

    Fordert „eine handfeste und faire Debatte zum Grundeinkommen“: Daniela Schulze von „Expedition Grundeinkommen“.

    Expedition Grundeinkommen fordert ein wissenschaftlich begleitetes, staatliches Modellprojekt zum Grundeinkommen: 10.000 Menschen sollen drei Jahre lang ab 2023 Grundeinkommen bekommen, hier in Hamburg 2.000 Menschen. Verschiedene Varianten, d.h. verschiedene Ausgestaltung der Finanzierung/ Umverteilung und verschiedene Betragshöhen werden getestet, um so Aussagen darüber treffen zu können, wie ein deutschlandweites Grundeinkommen aussehen müsste, von dem alle Menschen etwas hätten.

    Hat sich die Einstellung zum Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens in den letzten Jahren in der Bevölkerung verändert?

    Das denke ich schon. Es wird immer bekannter.

    Was sagen Sie Menschen, die befürchten, wenn jeder Anspruch auf ein Grundeinkommen hat, würde niemand mehr arbeiten bzw. keiner mehr die „schlechten“ und schlecht angesehenen Jobs verrichten?

    Dass komischerweise genau diese Menschen weiterarbeiten würden, da das bedingungslose Grundeinkommen ja on top zum eigenen erarbeiteten Lohn kommt. Sicherlich sind Menschen dann freier in der Gestaltung, aber daraus kann mehr Kreativität und Enthusiasmus für die Gesellschaft entstehen. Es geht ja hier auch um einen Modellversuch, denn was man nicht probiert hat, kann man weder befürworten noch ablehnen.

    Gerade jetzt in der Corona-Krise werden die Rufe nach neuen Einkommenskonzepten laut. Welche Rolle könnte da das BGE spielen?

    Damit könnten Zigtausende vor dem finanziellen und sozialen Absturz bewahrt werden und die Kaufkraft bliebe im Lande erhalten. Die aktuelle Situation zeigt nur noch umso deutlicher, dass wir eine handfeste und faire Debatte zum Grundeinkommen brauchen – alle Forderungen momentan bringen das Thema Grundeinkommen sichtbar in Gesellschaft und Politik und bringen die Debatte und Erforschung zum Grundeinkommen voran.

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