Mittwoch, 28. September 2022
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    Die Natur vor der Tür entdecken!

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    In diesem Jahr wird Urlaub in der Ferne wohl leider für viele ausfallen. Gut, dass es Entdeckenswertes auch direkt vor der Haustür gibt. „Deswegen möchte ich jedem, der gerne allein oder mit Familie und Freunden Spaziergänge im Grünen liebt, ‚Was grünt und blüht in Hamburg?‘ ans Herz legen. Es enthält Spannendes zu bekannten und weniger bekannten Pflanzen“, Kai Wehl, Chefredakteur.

    „Hamburg gilt als die grünste Metropole Europas. Das ist auch kein Wunder, gibt es doch in der Stadt 122 Parks und 35 Naturschutzgebiete. Der wesentliche Grund für Hamburgs Vielfalt an Pflanzen besteht in der großen Zahl unterschiedlicher Biotope auf kleinem Raum“, schreibt Buchautor Thomas Schmidt in seinem Vorwort. Er nennt beispielhaft als Lebensräume Wiesen, Wälder, Moore und sogar Dünen. Deshalb seien in Hamburg mehr Arten anzutreffen als in der Umgebung, wo häufig Monokulturen das Bild bestimmen würden, so der Autor weiter. „Mehr als 1500 wild wachsende Arten wurden bisher gezählt.“ Über die gesamte Stadt verteilt. Grund genug für den Biologen, die Besonderheiten in einem pflanzenkundlichen Stadtführer mit zehn Touren durch sechs Parks und vier Naturschutzgebiete zusammen zu fassen, um „einen kleinen, unterhaltsamen Einblick in Hamburgs Pflanzenwelt zu geben.“

    Beispielsweise in die des Stadtparks in Winterhude. Der ist mit seinen „vielen einheimischen und exotischen Gewächsen (…) eine grüne Lunge mitten in Hamburg“. Auf einem ausführlich aber nicht zu detailreich beschriebenen Spaziergang, der am Modellboot-Teich beginnt – Tour VII im Buch -, werden die Fauna, aber natürlich vor allem die Flora beschrieben. Dabei werden besondere Pflanzen herausgepickt und ausführlich vorgestellt – mit ansprechender, filigraner Grafik und Steckbrief. So erfährt man etwa Wissenswertes zu der zu den Kreuzblütern gehörenden krautigen Knoblauchsrauke. „Früher fand sie auch als Heilkraut Verwendung. Sie sollte als Saft oder Tee bei Erkrankungen der Atemwege helfen“, so Schmidt. Außerdem hätten im Mittelalter arme Menschen, die sich teure Gewürze nicht leisten konnten, das knoblauchartige Aroma zum Verfeinern einiger Speisen genutzt. Heute fänden die jungen Blätter Anwendung in der modernen Kräuterküche, etwa im Frischkäse oder Salaten. „Für manche Insekten spielt die Pflanze eine große Rolle“, erklärt der Biologe im Steckbrief. So würden einige Schmetterlingsarten vom Nektar trinken.

    Ein weiteres Gebiet, durch das der Biologe gewandert ist, ist der Duvensteder Brook, dessen abwechslungsreiche Landschaft nach der letzten Eiszeit entstand, die vor rund 15.000 Jahren zu Ende ging. Der beschriebene Spaziergang beginnt am BrookHus des NABU am Duvenstedter Triftweg 140 – Tour 6 im Buch -, werden die Fauna, aber natürlich vor allem die Flora beschrieben. Dabei werden besondere Pflanzen herausgepickt und ausführlich vorgestellt – mit ansprechender, filigraner Grafik und Steckbrief. So erfährt man etwa Wissenswertes zu der in Deutschland leider in ihrem Bestand bedrohten Schwanenblume. „Ihren Namen hat die Staude vom schwanenhalsartig gebogenen Griffel, der auf dem Fruchtknoten ihrer Blüten sitzt.“ 2014 war sie Blume des Jahres der Loki Schmidt Stiftung, die damit auf ihren Bestandsrückgang aufmerksam machen wollte. Der sei schlecht für die Natur, denn dort spiele sie eine wichtige Rolle, so der Autor. Ihre Blüten lieferten unter anderem Bienen und Hummeln reichlich Nahrung. Auch der Mensch weiß sie zu nutzen: „Ihre grasähnlichen Blätter wurden früher zu Körben und Matten verarbeitet. (…) und da der Wurzelstock Stärke enthält, wird er in Teilen Asiens zu einer Art Brot gebacken“, schreibt Thomas Schmidt, „zum Glück wurde die als Zierpflanze kultiviert, deswegen muss sie niemand aus der freien Natur entnehmen.“ Nur zwei von vielen spannenden Pflanzenbeispielen.

    Zusätzlich gibt es in weiteren Kapiteln Wissenswertes über bestimmte Pflanzenarten. So wird etwa erklärt, welche essbaren Wildfrüchte es bei uns gibt und was man daraus machen kann. Das Buch bietet abwechslungsreiche Streifzüge durch Hamburgs Natur – zu jeder Tour gibt es auch eine kleine Karte -, erklärt Spannendes zu einzelnen Pflanzen und regt zum genaueren Hinschauen sowie zu Ausflügen durch folgende Gebiete an:

    1. Planten un Blomen: Aus der Naturapotheke – Heilpflanzen
    2. Ohlsdorfer Friedhof: Köstliches aus der Natur – Essbare Wildfrüchte
    3. Eppendorfer Moor: Frühblüher – erste Frühlingsboten
    4. Boberger Niederung: Schön, aber ungenießbar – Giftpflanzen
    5. Höltigbaum: Gelb, Orange, Rot – Bunte Herbstblätter
    6. Duvenstedter Brook: Von Anis bis Zitronenmelisse – Beliebte Küchenkräuter
    7. Stadtpark: neu in Hamburgs Pflanzenwelt – Neophyten
    8. Harburger Stadtpark: Verbessern die Stadtluft – Hamburgs Straßenbäume
    9. Altonaer Volkspark: Brennnessel und Co. – Frisches Wildgemüse
    10. Botanischer Garten

    Fazit: Lesenswert für Groß und Klein mit vielen überraschenden Fakten und schönen Grafiken. Ich weiß jetzt auch endlich, was in meinem Garten dezent nach Knoblauch riecht, wenn ich es aus dem Beet hacke: die Knoblauchsrauke. Ich werde die einstige Heilpflanze mit meinem neuen Wissen da, wo es geht, ab sofort stehen lassen.

    Thomas Schmidt, Was grünt und blüht in Hamburg?, Junius Verlag, 156 Seiten, 16 Euro (ebenfalls empfehlenswert vom Autor und im gleichen Verlag erschienen: Was piept und fliegt in Hamburg?, Was kreucht und fleucht in Hamburg?)

    Weitere Infos: HIER geht es zum Buch auf der Seite des Junius Verlages.

    Bildnachweise: Knoblauchsrauke, Jan Kops, (1832), Flora Batava, Volume 6, Amsterdam. Schwanenblume, Otto Wilhelm Thomé, (1885), Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz, Gera.

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    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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